Deutsch-Italienische Kulturgesellschaft e.V. Hannover

Sa, 02.12.2017, 16:00 Uhr
Alle Wege führen über Rom: Karrieren von Klerikern aus Hannover im Spätmittelalter

News zu Archiv | Archivio vom 25. November 2017

Vortrag von Prof. Dr. Brigide Schwarz, Berlin

Theatermuseum im Schauspielhaus
Prinzenstraße 9, 30159 Hannover
Das Theatermuseum ist über die Haltestelle „Schauspielhaus / Thielenplatz“ der Buslinien 100, 121, 128, 134 und 200 direkt zu erreichen. In kurzer Distanz liegen auch die Stadtbahn-Haltestellen „Aegidientorplatz“ und „Kröpcke“.

ALLE WEGE FÜHREN ÜBER ROM: KARRIEREN VON KLERIKERN AUS HANNOVER IM SPÄTMITTELALTER
Die Recherchen einer Mittelalterhistorikerin im Vatikanischen Archiv kann Überraschendes zutage fördern: nicht nur über jene, die an der Kurie in Rom arbeiteten, sondern auch über Besucher aus fernen Orten – Hannover etwa. So machten ca. 13 Kleriker aus Hannover zwischen 1410 und 1460 eine bemerkenswerte Karriere.
Drei von ihnen gelangten auf die Bischofsthrone von Lübeck, Dorpat und Ösel, andere in Führungsämter an Domkirchen (insgesamt 5). Weniger brillant waren die Karrieren derjenigen, die in der Region blieben (8).

Bischofsburg Kuressaare (Arensburg), Saaremaa, Estland (Quelle: Wikipedia)

Dieser unerwartete Aufstieg einer so ansehnlichen Zahl von Bürgersöhnen aus einer mittelgroßen Landstadt, die Hannover damals war, in Kirchen, an denen der Adel oder das Patriziat dominierten, erklärt sich teilweise aus einer besonderen Konstellation (dem Großen Schisma 1378–1417), zum anderen aus Chancen, die sich auftaten, weil plötzlich eine Gruppe von Landsleuten an der Kurie in Rom Posten erreichten, die ihnen früher erschlossen gewesen wären. Mit Hilfe dieser Kurialen stiegen nun Hannoveraner in immer wichtigere Positionen auf. Diese Seilschaften nutzten souverän die Gelegenheiten des Pfründenmarktes an der Kurie, um mit Hilfe päpstlicher Gunstbezeugungen ihren Besitz an Pfründen zu mehren und den ihrer „Freunde“ und Klienten. Dazu bildeten sie ein Netzwerk aus Vertrauten aus der Studienzeit in Italien, aus gemeinsamem Dienst an der Kurie, aus Verwandten und Freunden in der Heimat.

Brigide Schwarz Nach ihrer Habilitation in Berlin im Jahr 1978 lehrte Prof. Dr. Brigide Schwarz bis 1998 am Historischen Seminar der Universität Hannover. 1988 bis 1992 war sie für Forschungen am Repertorium Germanicum an das Deutsche Historische Institut in Rom abgeordnet. Mai 2013 wurde ihr im Palazzo Borghese der Premio Daria Borghese vom Gruppo dei Romanisti, einer seit 1929 bestehenden Vereinigung, verliehen.